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Februar 2002

Es war ein nasser, kalter Freitag Nachmittag, als 21 Kinder und drei Betreuer ein bisschen aufgeregt auf dem zugigen Bahnsteig des Gleises 101

im Karlsruher Hauptbahnhof standen und auf ihren Zug warteten. Die Gruppe hatte unser Freizeitheim in Oberotterbach als Ziel und erlebte dort Traum-Tage im wahrsten Sinne des Wortes.

„Traum-Tage“, so heissen die Wochenendfreizeiten, die seit drei Jahren von der Kinder-Stadtkirche für Kinder von sechs bis elf Jahren angeboten werden. Die Traum-Tage sind der kleinen Gruppe und des ruhigen, überschaubaren Programms wegen eine ideale Freizeit für Kinder, die zum erstenmal alleine auf eine Freizeit fahren. Der inhaltliche Kern dieser Freizeit sind drei Fantasie-Reisen, welche die Kinder gemeinsam durchlebten.

Diesmal war die Gruppe mit 21 Kindern jedoch zu groß für das Haus, das nur 23 Betten bietet. So schlief ich als Leitung auf einer Matratze auf dem Boden. Nachdem die Gruppe ihre Zimmer bezogen und sich beim Abendessen gestärkt hatte, setzten sich alle zusammen, um zu singen, Kennenlernspiele zu spielen und sich einführend mit dem Motto des Wochenendes zu befassen: „einsam - gemeinsam“. Ein großes Wandbild entstand, in dem Namensschilder aller Kinder durch Wollfäden jeweils mit den Namensschildern der Kinder verbunden waren, mit denen sie gerne zusammen sind.

Am nächsten Morgen bastelten alle jeweils ein Sockentier, auf welchem sie dann in Gedanken reitend ihre Traumreise antraten. Als alle Puppen fertig waren, ging es endlich los. Alle setzten und legten sich gemütlich auf Matratzen und Decken, wurden ruhig, schlossen die Augen und machten sich in ihren Gedanken unter meiner Anleitung auf ihre erste Traum-Reise. Diese führte sie in eine heisse, menschenleere Sandwüste, in der sie sich schnell einsam gefühlt hätten, wäre da nicht ihr treues Sockentier gewesen...

Nach einer ordentlichen Portion Spaghetti ging es am Nachmittag erst einmal in den Wald zu einem kleinen Geländespiel, in dem eine Gruppe die andere suchen musste. Da es im Laufe des Spieles zu regnen begann, waren alle froh, wieder in die Hütte zurück zu kommen.




Am Abend folgte die zweite Traum-Reise: sie führte wieder in die Wüste. Diesmal verirrten sich die Kinder, waren ganz allein zwischen den riesigen Dünen, sahen eine Fata Morgana und bekamen großen Durst. Doch auch diesmal rettete sie das Sockentier. „Das ist ziemlich schlimm, wenn man so alleine ist.“ war der Kommentar eines der Kinder zu dieser Traumreise. Der Abend klang mit lustigen Spielen aus.

Am Sonntagmorgen, bevor gepackt wurde, trafen sich alle zu einer dritten Traum-Reise, welche sie wieder in die Wüste führte, in der sie diesmal ein verdurstendes Lamm fanden. Nach Wasser zu graben gelang ihnen alleine nicht. Aber sie fanden einheimische Kinder, die ihnen halfen. So gelangten sie an Grundwasser, womit sie das Lamm retteten. Gemeinsam geht es eben besser als alleine...

Nach dieser letzten Traum-Reise malten alle ihre Wüste und Erlebnisse. Alle drei Traum-Reisen fanden sich auf den zum grossen Teil sehr beeindruckenden Bildern.

Schon waren die Traum-Tage zu Ende. Es ging wieder nach Hause und alle waren traurig, dass die gemeinsamen Tage nun vorbei waren.